Nachhaltig wohnen

10 Dinge, auf die Sie beim nachhaltigen Wohnen achten sollten

Noch besser als Frühjahrsputz ist Nachhaltigkeit zu Hause

Nachhaltigkeit kommt jetzt auch in den eigenen vier Wänden an: Immer mehr Menschen nehmen den Bewusstseinswandel und die damit verbundene Verantwortung persönlich. Das fängt beim Zuhause an – egal, ob sie sich neu einrichten, etwas reparieren oder die Wohnung renovieren: Nachhaltigkeit ist keine bloße Etikette, sondern längst eine schöne, sinnvolle Chance, wirklich etwas zu ändern. Möbel und Haushaltsgeräte, der Balkon, der Garten oder der Neuanstrich – all das gehört zum nachhaltigen Wohnen.

1. So viele Nachhaltigkeitssiegel – aber welchem vertrauen?
Nicht nur die Greenpeace-Studie bestätigt: So manches Nachhaltigkeits-Label führt die Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre. Diverse Zertifizierungen und Siegel sind unglaubwürdig. Manche Hersteller verpassen sich ein Logo einfach selbst, andere bezahlen Geld an Institute, um ihre Produkte damit zu „schmücken“. Damit Sie sich gezielt informieren können und nicht auf niedrige Standards und lasche Kontrollen hereinfallen – damit Sie also wirklich nachhaltig einkaufen –, bietet die Bundesregierung ein transparentes Bewertungssystem an, das Ihnen zeigt, welchem Siegel Sie vertrauen können.

2. Nachhaltige Möbel sind der neue Lifestyle beim Wohnen
Nachhaltig produzierte Möbel zu kaufen, ist nichts Antiquiertes. Im Gegenteil: Das hat Perspektive. Gemeint ist das riesige Potenzial ökologischer Material-Innovationen wie etwa:
• Moorschlamm, Mycelium (Wurzelwerk der Pilze),
• Pre-Consumer Waste (Nebenprodukte, die wegen Verschnitts eigentlich wie Abfallprodukte entsorgt würden)
• oder heimisches Holz (hat eine sehr gute Klimabilanz).
Wer sich für solche Materialien etwa bei der nächsten bequemen Sitzlounge aus Europaletten oder beim höhenverstellbaren Schreibtisch aus Holzwerkstoff entscheidet, denkt in die Zukunft, richtet sich nachhaltig ein und muss deswegen keineswegs auf ein modernes Design verzichten.

3. Auch Wohntextilien sind nachhaltig.
Immer mehr Anbieter achten auf echte Nachhaltigkeit – also darauf, dass die Produkte aus wiederverwerteten Materialen hergestellt werden: Beispielsweise Kaltschaummatratzen mit Klimafasern, Wohntextilien wie Bettwäsche aus Bio-Baumwolle oder Gardinen aus recycelten PET-Flaschen – bei all diesen Produkten sind auch die Lieferketten und Arbeitsbedingungen wichtige Kriterien. Von der Faser über die Herstellung bis zum Verkauf.

4. Nachhaltiges Renovieren kostet – nicht mehr Geld, aber manchmal mehr Geduld
Nachhaltiges Renovieren berücksichtigt nicht nur den ökologisch verantwortungsbewussten Einsatz bestimmter Materialien, sondern von vornherein auch deren ressourcenschonende Entsorgung. Und: Nachhaltiges muss – entgegen vielen Annahmen – nicht teurer sein als herkömmliche Erneuerungen. Vielmehr hat es etliche Vorteile: Es sorgt für schadstofffreie Raumluft, ist umweltschonend und fair. Oft aber ist es aufwendiger, weil es mehr Planung erfordert, denn die richtigen Informationen müssen erst einmal beschafft werden.

5. Was kann ich selbst in die Hand nehmen um nachhaltig zu wohnen?
Haben Sie den Überblick, welches Vorhaben nun umgesetzt werden soll, bleibt noch die Frage: Was können Sie selbst tun um nachhaltig zu wohnen? Und was überlassen Sie lieber dem Profi? Alles, was Schadstoffanalysen und Materialproben betrifft, ist eine Sache für den Profi, beispielsweise für einen Sachverständigen. Alles, was eine geschmackliche Erneuerung betrifft – und das ist meist der Hauptanteil einer Veränderung – haben Sie selbst in der Hand.

Was bei Farbe, Wänden und Fußboden beim nachhaltigen wohnen  zu beachten ist

Farben und Wände:

• Wandfarben, Lacke und Lasuren sollten umweltgerecht hergestellt werden und die Gesundheit schonen. Denn anderenfalls können Ausdünstungen von Lösungsmitteln, Weichmachern, Konservierungsmitteln, Formaldehyd oder Terpenen zum Beispiel Allergien, Atemreizungen oder Kopfschmerzen auslösen. So zum Beispiel kunstharzgebundene Innenwandfarben oder abwischbare Wandfarben – sie puffern die Feuchtigkeit und versiegeln quasi die Oberflächen. Besser ist es, keine Farbeimer zu kaufen, sondern trockene Farben in Papiertütchen zu bevorzugen und sie mit Farbpigmenten selbst anzurühren. Und ganz besonders lässt in Schichten aufgetragener Lehm die Wände gut atmen. Für die meist etwas feuchteren Keller empfiehlt sich dagegen Kalk. Jedoch ist das Auftragen aufwendig, weil eine professionelle Arbeitsweise und absichernde Arbeitsmittel (Augenschutzbrille und Schutzhandschuhe) nötig sind.
• Tapeten können aus Altpapier hergestellt werden – wie etwa Raufasertapeten – und dennoch sehr modern gestaltet werden. Weiterer Vorteil: Sie sind atmungsaktiv und robust. In der Regel sollten Sie, wie Vliestapeten, auf natürliche Textilfasern achten und darauf, dass sie wasserdampfdurchlässig sind. Verwenden Sie keine Tapeten mit Polyvinylchlorid (PVC) oder mit Weichmachern.
Achten Sie schon beim Malern auf gute Belüftung. Wichtig ist auch, dass alles schnell trocknet.

Fußboden:

• Teppiche sollten umweltschonend und gesundheitsverträglich, fair zertifiziert und kaum verklebt sein. Der Markt bietet viele Recycling-Teppiche, etwa aus Baumwolle. Korkteppiche werden vom lebenden Stamm der Korkeiche geerntet und sind biologisch abbaubar. Sisal ist ein veganes Produkt. Auch PET-Flaschen werden für Teppiche wiederaufbereitet, indem sie zerkleinert und zu Garn versponnen werden – jenes Material ist angenehm weich und lässt sich sehr einfach reinigen. Bei Schafwollteppichen sollte auf eine tiergerechte Haltung geachtet werden. Jute, Kokos und Flachs wachsen zwar nach, legen aber oft weite Wege zurück.
• Nachhaltiges Laminat besteht zu 80 bis 90 Prozent aus natürlichen Rohstoffen, hat keine Pestizide oder schädliche Schwermetalle und ist emissionsarm.
• Bei Holzfußböden ist darauf zu achten, dass das Holz kurze Transportwege hat und aus nachhaltiger Forstwirtschaft kommt. Wichtig: Sogenannte „Edelhölzer“ wie Tropenholz, Akazie, Teak, Mahagoni oder Palisander weisen keine gute CO2-Bilanz auf und werden oft unter problematischen Umwelt- und Sozialbedingungen abgeholzt.
• Als besonders nachhaltiger Fußbodenbelag gilt Linoleum, da jenes PVC-Material zu 100 Prozent recycelt wird und weder die Umwelt noch die Gesundheit belastet.
Falls Sie unsicher sind, zu welchen Produkten Sie greifen sollen: Als gute Orientierung dienen für die jeweiligen Anwendungen diese vertrauenswürdigen Öko-Siegel.

6. Haushaltsgeräte erhalten, auch das ist nachhaltig

Geräte, die noch funktionieren, wie etwa der Kühlschrank, die Waschmaschine oder der Trockner müssen nicht gleich entsorgt werden, bloß weil es mittlerweile noch energieeffizientere Geräte gibt. Haushaltsgeräte sollten Sie aus Umweltsicht so lange wie möglich nutzen – wenn sinnvoll, besser noch reparieren. Denn neue Geräte werden aufwendig hergestellt: Das verbraucht viel Energie und andere Ressourcen.

7. Bei Neuanschaffungen auf die Energieeffizienz achten
Sollten Sie aber neue Geräte anschaffen müssen, da die alten den Geist aufgegeben haben, dann achten Sie natürlich auf die beste Energieeffizienzklasse. Da hat sich seit 2021 die EU-Energieverbrauchskennzeichnung, also das Label, geändert. Seitdem sind die sparsamsten Geräte beispielsweise bei Waschmaschinen und Trocknern, Geschirrspülern, Fernsehern und Monitoren, Lampen und Leuchten sowie Kühl- und Gefriergeräten in der obersten, dunkelgrünen Effizienzklasse „A“ zu finden. An diese Klasse reichen viele Hersteller noch nicht heran. Damit will die EU den Anreiz erhöhen, noch effizientere Produkte für den Markt entwickeln zu lassen. Derzeit haben viele Haushaltsgeräte das Label „B“ – und die Klassen reichen nun wieder bis „G“.
Weil seit der Klassifizierungsänderung die oberste Klasse „A“ noch oft frei bleibt, ist das effizienteste Gerät meist in der Klasse „B“ zu finden. Genau damit will die EU herausfordern: Sie möchte die Hersteller dazu bewegen, noch effizientere Geräte zu entwickeln.

8. Der Austausch: Zum Beispiel die Spüle in der Einbauküche
Müssen Sie etwa nur eine Spüle ausgetauschen, und Sie möchten dabei nachhaltig handeln, berücksichtigen Sie bei der Wahl doch dieses Beispiel: Spülen gibt es aus Edelstahl, Granit oder Keramik. Edelstahl ist robust und langlebig, Keramik schlagfest und lebensmittelecht. Granit aber ist nicht nur strapazierfähig und farbbeständig, sondern von allen Materialien am nachhaltigsten – denn Granit besteht zu 99 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und kann sogar am Ende einem geschlossen Recycling-Kreislauf zurückgeführt werden.

9. Selber machen: Das große Aufmöbeln mit kleinen Details

Do it yourself – so geht Upycling in den eigenen vier Wänden: Je weniger sie wegwerfen oder entsorgen, umso mehr tun Sie für die Umwelt. Es spart nicht nur Geld, seine vier Wände selbst aufzumöbeln, es kann auch Spaß machen. Oft genügt es, am Ende nur noch kleine Details hinzuzufügen. Und so mancher und manche entdeckt bei den Arbeiten ganz unerwartet ein Talent für Kreativität.

10. Schöne Pflanzen machen noch keinen nachhaltigen Balkon oder Garten

Am Ende noch einer der größten Irrtümer: Gemüse und schöne Pflanzen im Garten oder auf dem Balkon produzieren Sauerstoff, sind mehr oder weniger auch essbar oder gut zum Würzen und locken Bienen, Schmetterlinge oder Hummeln an – aber komplett nachhaltig sind sie deswegen noch nicht. Da geht noch was: Sind die Pflanzen aus biologischem Anbau? Welche Pflanzen sind für schattige Plätze und welche für sonnige Orte sinnvoll? Sind die Pflanztöpfe aus Plastik? Lassen sich vielleicht Nistplätze (dafür genügen alte Stängel, feuchter Lehm, Ton oder Löss) bereitstellen oder Futterstellen und Insektenhotels anbringen? Wie ist die Beleuchtung für die Nacht (reicht vielleicht der Sternenhimmel)? Wenn auch noch etwas Fassaden-Grün möglich ist, umso besser: Grüne Wände tun auch den Mieterinnen und Mietern gut, denn sie dämmen Lärm und Hitze.